Schützenverein Sacka 1888 e.V.
Ursprung
Soviel konnte aus Überlieferungen noch festgestellt werden: der Verein wurde 1888 gegründet. Dies ist aus dem einzigen Vereinsabzeichen ersichtlich, dass noch vorhanden ist. Auch das Vereinssymbol ist daraus abzuleiten, welches der Verein nun weiterführt.
Zeitzeugen berichteten noch vom Schützenverein: „Sie hatten große Federn an ihren Hüten, trugen eine grüne Jacke und verstanden es, richtige Feste zu feiern....” Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde die Vereinsarbeit in den Vorkriegsjahren zum 2. Weltkrieg eingestellt.
Entwicklung
Der Verein wurde am 24.01.2001 durch 10 Mitglieder neu gegründet. Als Vorsitzender wurde Alois Langwieser gewählt, der den Verein bis 2019 führte. Es wurde eine neue Satzung beschlossen, das Vereinswappen, die Vereinskleidung, die Geschäftsordnung und die Aufnahme- und Beitragsordnung festgelegt. Danach erfolgte die Anerkennung als gemeinnützig, die Beurkundung, der Eintrag ins Vereinsregister, die Aufnahme in den Sächsischen Schützenbund und in den Landessportbund Sachsen.
Mit der Gemeinde Thiendorf konnte ein Vertrag zur Nutzung des als Sportbaracke vorgesehenen Lagers an der Lötzschener Straße als Schießsportanlage abgeschlossen werden und die Vereinsmitglieder haben sofort in Eigenregie mit dem Ausbau zur Schießsportanlage begonnen. Durch das Landratsamt und einen Sachverständigen wurde die Anlage dann für Luftgewehr, Luftpistole und Zimmerstutzen abgenommen.
Bereits im ersten Jahr nahm der Verein an verschiedenen Veranstaltungen in der Gemeinde, bei benachbarten Schützenvereinen und bei Landestreffen des Sächsischen Schützenbundes teil.
Vereinsmitglieder übten viele Schießsportdisziplinen aus. Dazu nutzten sie neben der eigenen Anlage auch die Sportanlagen benachbarter Vereine, insbesondere die Anlagen der Freischützengesellschaft 1860 Großenhain e.V.
Am 25. Mai 2003 hatte der Verein seine Fahnenweihe. Es waren über 20 Vereine und über 250 Personen beteiligt. Mit der Veranstaltung wurde der Verein erstmals über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus bekannt. Als Patenverein erklärte sich die Freischützengesellschaft 1860 e. V. Großenhain bereit. Der hier geschlossene Patenschaftsvertrag geht weit über die Fahnenweihe hinaus und regelte auch ein künftiges gutes Zusammenwirken.
Im Bereich Brauchtumspflege veranstaltete der Verein eigene Vereinsfeste und besuchte die Veranstaltungen benachbarter Schützenvereine und der Vereine in der Gemeinde. Mehrere Mitglieder absolvierten Lehrgänge nach dem Sprengstoffrecht und erhielten die Erlaubnis zum Umgang mit Sprengstoffen, so dass ein eigenes Salutkommando zum Schießen mit Hand- und Standböllern aufgestellt werden konnte und ein gezieltes Schießen mit Vorderlader-Gewehren und -Pistolen möglich wurde. Eine entsprechende sprengstoffrechtliche Ausbildung wurde auch für die Reinigung der Schießsportanlage wegen der Pulverrückstände erforderlich.
Voraussetzung für den Umgang mit zulassungspflichtigen Sportwaffen ist ein Waffensachkundelehrgang mit Prüfung, ähnlich einer Führerscheinprüfung. Da im Verein entsprechender Sachverstand vorhanden war, genehmigte das Landratsamt die Zulassung einer Prüfungskommission für Waffensachkunde im Verein. Danach wurden Lehrgänge mit Prüfungen abgehalten, es wurden zahlreiche Vereinsmitglieder und Mitglieder benachbarter Schützenvereine beschult und die bundesweit gültige Sachkundeprüfung als Voraussetzung für eine Waffenbesitzkarte abgenommen.
Anerkennung fand der Verein auch, weil ein Vereinsmitglied zum Kreisschützenmeister und dann zum Mitglied des Gesamtvorstands des Sächsichen Schützenbundes gewählt wurde und so die Interessen des Vereins im Sächsischen Schützenwesen einbringen konnte. Neue Kreismeisterschaften wurden initiiert und alte Bräuche wieder belebt. So wurde z. B. eine alte Tradition des Scharfschützenabzeichens wieder eingeführt. Mehrere Vereinsmitglieder tragen bereits das Scharfschützenabzeichen in Gold.
Im Jahr 2009 konnte nach aufwendigen Baumaßnahmen die Schießsportanlage auf Munition bis 250 Joule Bewegungsenergie zugelassen werden, sodass nun auch mit Pistolen, Revolvern und Gewehren der Kal. .22, .32 und .38 trainiert werden konnte. Nach dem vermehrten Aufkommen von professionellem Lichtschießen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene wurden Laserschießanlagen für Gewehre und Pistolen beschafft und werden nun auch insbesondere bei Veranstaltungen gerne genutzt.
Am 11. März 2016 wurde das deutsche Schützenwesen durch die Deutsche UNESCO-Kommission, die Kultusministerkonferenz sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Mit dieser Entscheidung fand eine jahrhundertealte Tradition offizielle Anerkennung als bedeutender Bestandteil der deutschen Kulturgeschichte. Mit dieser Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe wird deutlich, dass das Schützenwesen weit mehr ist als eine sportliche Betätigung. Es ist Ausdruck einer lebendigen Tradition, die sich im Laufe der Geschichte stetig weiterentwickelt und dennoch ihre prägenden Elemente bewahrt hat. Damit ist auch der Verein Teil dieses kulturellen Erbes. Als Träger und Bewahrer schützenswerter Traditionen steht er in einer besonderen Verantwortung, die historischen Wurzeln zu pflegen, Werte weiterzugeben und das kulturelle Leben aktiv mitzugestalten. Die Auszeichnung ist somit zugleich Anerkennung und Verpflichtung: Sie würdigt das bisher Geleistete und bestärkt darin, das Schützenwesen auch künftig verantwortungsvoll und traditionsbewusst fortzuführen.
Am 22.Juni 2017 kam es zur Katastrophe. Gegen 17.00 Uhr hob ein Sturm das gesamte Dach der Schießsportanlage ab. Es lag zwanzig Meter weiter in der Wiese. Auch der Innenausbau der Anlage war stark beschädigt. Nach Mitteilung der Gemeinde war das Gebäude nicht versichert. Ein Sachverständiger schätzte den Schaden auf mehr als 70000,00 Euro.
Mit Hilfe eines Zuschusses der Gemeinde, zahlreicher Spenden von Schützenvereinsmitgliedern, der praktischen Hilfe der Schützenvereine aus Ebersbach, Schönfeld und Großenhain und nicht zuletzt der ganz erheblichen Arbeitsaufwendungen der eigenen Vereinsmitglieder konnte die Anlage komplett neu aufgebaut werden. Dabei wurde bereits berücksichtigt, dass langfristig auch ein weiterer Ausbau der Anlage auf eine Leistung von 1500 Joule Bewegungsenergie in Planung war.
Nach dem Wiederaufbau wurden die Planungen für die Erweiterung weitergeführt und es begannen erste Vorarbeiten.
Mit der Zeit wurde ein Generationswechsel in der Führung des Vereins erforderlich. Im Oktober 2019 legte der langjährige Vorsitzende Alois Langwieser aus Alters- und Gesundheitsgründen sein Amt nieder. In Würdigung seiner großen Verdienste und seines prägenden Engagements wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zum neuen Vorsitzenden wurde Dr. Christian Schwarz gewählt. Er führt seit dem 18.10.2019 den Verein bis heute.
In den Jahren 2020 und 2021 wurde die Schießanlage umfassend erweitert und technisch so ertüchtigt, dass nunmehr das Schießen mit einer Mündungsenergie von bis zu 1.500 Joule möglich ist. Mit diesem Ausbau wurde ein bedeutender Schritt zur weiteren sportlichen Entwicklung des Vereins vollzogen. Für dieses Vereinsprojekt konnten finanzielle Mittel unter anderem vom Kreissportbund Meißen eingeworben werden.
Die Modernisierung eröffnet den Mitgliedern seither verbesserte Trainingsbedingungen, insbesondere für Disziplinen mit Kurzwaffen im Kaliber 9 mm sowie für das Flintenschießen. Dadurch können sowohl klassische als auch moderne Wettkampfdisziplinen unter optimalen Voraussetzungen trainiert werden. Die Erweiterung trägt wesentlich dazu bei, Leistungsstandards zu festigen und gezielt auszubauen. Zugleich schafft die Anlage die Grundlage für eine erfolgreiche Teilnahme an vielfältigen Wettbewerben. Neben zeitgemäßen sportlichen Disziplinen betrifft dies auch die landesweit sehr geschätzten historischen Wettkämpfe, wie etwa die Makarov- oder 08-Cups. Damit verbindet der Verein auf gelungene Weise technische Weiterentwicklung mit der Pflege traditioneller Schießsportkultur.
Zukünftig möchte der Verein sich darüber hinaus dem Bogensport zuwenden. Der Aufbau ist bereits geplant und im Gange.
Trotz der vergleichsweise geringen Mitgliederzahl ist es dem Verein immer wieder gelungen, bemerkenswerte und weit über die eigene Größe hinausreichende sportliche Erfolge zu erzielen. Diese Leistungen zeugen nicht nur von individuellem Können, sondern ebenso von kontinuierlicher Trainingsarbeit, Disziplin und einem ausgeprägten Leistungswillen innerhalb der Gemeinschaft. Im Laufe der Jahre wurden unzählige Leistungsabzeichen des Sächsischen sowie des Deutschen Schützenbundes erworben. Diese Auszeichnungen dokumentieren eindrucksvoll das hohe sportliche Niveau der Schützinnen und Schützen und spiegeln die konsequente Förderung von Technik, Präzision und Ausdauer wider.
Darüber hinaus fanden sich Vereinsmitglieder Jahr für Jahr in den Siegerlisten der Kreismeisterschaften wieder. Diese kontinuierliche Präsenz an der Spitze unterstreicht die nachhaltige Qualität der Trainingsarbeit und die starke Wettbewerbsfähigkeit des Vereins im regionalen Vergleich. Auch auf Landesebene konnten beachtliche Erfolge erzielt werden. Bei den Landesmeisterschaften bewiesen die Schützinnen und Schützen regelmäßig ihr Können. Diese sportlichen Leistungen sind Ausdruck eines lebendigen Vereinslebens, in dem Engagement und sportlicher Ehrgeiz eine Einheit bilden.
Für ihre Arbeit und die sportlichen Erfolge erhielten alle Vereinsmitglieder nach einer Aufbau- und Trainingszeit verschiedenste Ehrungen. Dies waren Ehrenurkunden, Ehrennadeln oder Ehrenplaketten des Kreissportbundes, des Landessportbundes, des Sächsischen Schützenbundes und des Deutschen Schützenbundes. Auch einige Spitzenauszeichnungen wurden an Vereinsmitglieder vergeben. Mitglieder erhielten Verdienstkreuze des Sächsischen Schützenbundes in Gold, Silber oder Bronze und ein Mitglied wurde durch den Deutschen Schützenbund mit dem Ehrenkreuz ausgezeichnet.
Ein besonderes Augenmerk wurde stets auf eine engagierte und verantwortungsbewusste Jugendarbeit gelegt. Der Verein erkannte früh, dass die nachhaltige Entwicklung des Schießsports untrennbar mit einer qualifizierten Nachwuchsförderung verbunden ist. Aus diesem Grund absolvierten drei Vereinsmitglieder erfolgreich die spezielle Ausbildung zur Befähigung in der Kinder- und Jugendarbeit im Schießsport. Mit dieser Qualifikation wurde sichergestellt, dass Training, Betreuung und pädagogische Begleitung den hohen fachlichen wie auch rechtlichen Anforderungen entsprechen. In der Folge konnten zahlreiche Kinder und Jugendliche behutsam und altersgerecht an den Schießsport herangeführt werden. Dabei stand nicht allein die sportliche Leistung im Vordergrund, sondern ebenso die Vermittlung von Disziplin, Verantwortungsbewusstsein, Regelverständnis und Teamgeist.
Die jungen Sportlerinnen und Sportler lernten früh, sich zu konzentrieren, ruhig und kontrolliert zu handeln sowie mit Erfolgen und Misserfolgen gleichermaßen verantwortungsvoll umzugehen. Besonders bemerkenswert zeigte sich dabei immer wieder der positive Einfluss der im Training vermittelten Konzentrations- und Atemübungen. Eltern und Lehrkräfte berichteten mehrfach, dass sich die gesteigerte Konzentrationsfähigkeit auch im schulischen Bereich bemerkbar machte. Eine verbesserte Aufmerksamkeit, größere Ausdauer bei Lernaufgaben und ein gestärktes Selbstvertrauen führten nicht selten zu einer spürbaren Leistungssteigerung im Unterricht. Damit erwies sich die Jugendarbeit nicht nur als sportliche Nachwuchsförderung, sondern zugleich als wertvoller Beitrag zur persönlichen Entwicklung junger Menschen. Der Verein versteht diese Aufgabe als gesellschaftliche Verantwortung und als Investition in die Zukunft – sowohl des Schießsports als auch der heranwachsenden Generation.
Sicherheit ist das oberste Gebot beim Schießsport. Sie bildet die unverzichtbare Grundlage für jede Form der Ausübung – sei es im Training, im Wettkampf oder im Vereinsleben. Um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, ist ein nicht unerheblicher finanzieller und organisatorischer Aufwand erforderlich. Dieser betrifft insbesondere die moderne und vorschriftsmäßige Anlagentechnik, die regelmäßige Wartung und Überprüfung der Waffen- und Sprengstofftechnik sowie die gesetzeskonforme Aufbewahrung und den sicheren Transport. Dabei tragen sowohl die einzelnen Schützinnen und Schützen persönlich Verantwortung als auch die Gemeinschaft im Sinne gegenseitiger Unterstützung und Kontrolle. Investitionen in Sicherheitsausstattung, technische Prüfungen, Schutzmaßnahmen und geeignete Infrastruktur sind unerlässlich, um Risiken zu minimieren und höchste Sicherheitsstandards dauerhaft zu gewährleisten.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil dieses Sicherheitskonzepts sind regelmäßige Fortbildungen und Schulungen. Durch kontinuierliche Weiterbildung bleiben alle Beteiligten auf dem aktuellen Stand gesetzlicher Vorgaben, technischer Entwicklungen und bewährter Sicherheitspraktiken. Sachkunde wird nicht nur erworben, sondern fortlaufend vertieft und aktualisiert. So wird sichergestellt, dass Sicherheitsregeln nicht nur bekannt sind, sondern auch verantwortungsvoll und konsequent umgesetzt werden. Nur unter dem Gesichtspunkt größtmöglicher Sicherheit – getragen von Verantwortungsbewusstsein, fachlicher Kompetenz und stetiger Weiterbildung – kann der Schießsport nachhaltig, verantwortungsvoll und zukunftsorientiert betrieben werden.
Der Einsatz jedes einzelnen Vereinsmitglieds verdient höchste Anerkennung. Über viele Jahre hinweg haben sie mit unzähligen Arbeitsstunden, großem persönlichen Engagement und nicht unerheblichem organisatorischem wie auch finanziellem Aufwand maßgeblich zum Erfolg des Vereins beigetragen. Mit Ausdauer, Verantwortungsbewusstsein und sportlichem Ehrgeiz haben sie die Entwicklung des Vereins geprägt und dessen Leistungsfähigkeit kontinuierlich gestärkt. Ihr Engagement geht dabei weit über das rein Sportliche hinaus: Es umfasst Planung, Organisation, Pflege der Anlagen, Nachwuchsförderung und die Übernahme vielfältiger Aufgaben im Hintergrund. Dieser langjährige, oft selbstverständliche und doch außergewöhnliche Einsatz bildet das Fundament des heutigen Erfolgs und verdient Respekt, Dank und höchste Wertschätzung.
Der Vorstand
